Bergische Münzgeschichte

Kupferstich der ursprünglichen Burg an der Wupper um 1715

Geschichte des Herzogtums Berg

Das Herzogtum Berg war ein Teilgebiet des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation", gelegen im Osten des Rheinlandes.

Es besteht von 1080 unter Adolf I. von Berg als Grafschaft Berg. Adolf I. ist der erste urkundlich nachweisbare Graf von Berg und somit Begründer der gleichnamigen Grafschaft.

Südlicher Teil der Grafschaft Berg zur Zeit Engelbert I. (1160 bis 1189)

Karte von Berg (Mercator-Hondius-Atlas, Amsterdam 1609)
Wilhelm II. Graf von Berg erhält 1380 auf dem Reichstag zu Aachen die Herzogswürde. Die Grafschaft Berg wird unter ihm (als Wilhelm I. Herzog von Berg) zum Herzogtum Berg erhoben.

1423 erfolgt unter Adolf VII. der Zusammenschluss der Herzogtümer Jülich und Berg,

Im Jahr 1521 werden die Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg und die Grafschaften Mark und Ravensberg zum "Vereinigten Herzogtum Jülich-Kleve-Berg" vereinigt.
Letzter Herrscher des Herzogtums Jülich-Kleve-Berg ist Johann Wilhelm I., der am 25.03.1609 kinderlos verstirbt. Es beginnt ein heftiger Streit um die Erbfolge ("Jülich-Klevischer Erbfolgestreit") zwischen Johann Sigismund von Brandenburg und Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg. Im Dortmunder Vergleich von 1609 einigen sich beide, den Besitz gemeinschaftlich verwalten zu lassen. Die Regierung soll von den "Possidierenden", den Abgesandten beider Seiten (Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg, Philipp Ludwig und Markgraf Ernst -ein Bruder von Johann Sigismund) ausgeübt werden.

Karte des Herzogtums "Jülich-Kleve-Berg" um 1610

Im Vertrag von Xanten vom 12.11.1614 werden das Herzogtum Kleve sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg dem Kurfürstentum Brandenburg zugesprochen, das Herzogtum Jülich-Berg dem Herzogtum Pfalz-Neuburg.

Karte des Herzogtums "Jülich-Berg" um 1645

Im Jahre 1742 fällt das Herzogtum Jülich-Berg an Pfalz-Sulzbach, im Jahr 1777 an Kurbayern.

Die seit 1423 existierende Verbindung der Herzogtümer Jülich und Berg endet im Jahre 1795 mit der Besetzung durch Frankreich.

Um 1800 verfügt das Herzogtum Berg über eine Fläche von ca. 3.000 Quadratkilometern, die Bevölkerung ist auf über 260.000 angewachsen.

Am 15.03.1806 tritt König Maximilian IV. sein Herzogtum Berg im Tausch gegen das Fürstentum Ansbach an Napoleon ab. Napoleon übereignet die Souveränität an seinen Schwager Joachim Murat, der sich fortan Herzog von Berg nennt. Im Juli 1806 erklärt Murat den Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich und nimmt den Titel eines Großherzogs von Berg an. Das Großherzogtum Berg ist von 1806 bis 1813 ein Satellitenstaat des Kaiserreichs Frankreich.

Nach der Völkerschlacht von Leipzig (16.10. bis 19.10.1813) löst sich das Großherzogtum Berg faktisch auf. Am 17.12.1813 errichten die Alliierten das General-Gouvernement Berg.

Im Juni 1814 erfolgt die Besetzung durch preußische Truppen. Berg wird Teil der Provinz Jülich-Kleve-Berg mit dem Verwaltungssitz in Köln.

Die Herrscher von Berg

Die Herrscher des Bergischen Landes residieren zunächst auf Burg Berge in Odenthal-Altenberg.

Ab ca. 1133 erbaut Adolf II. eine Burg über der Wupper als Sitz der Grafen von Berg, nach dem Wiederaufbau bis heute als "Schloss Burg" bekannt. Fortan residieren die Grafen von Berg auf Schloss Burg.

Im Jahre 1385 entschließt sich Wilhelm I. Herzog von Berg seine Residenz von Schloss Burg nach Düsseldorf zu verlegen. Düsseldorf wird zur Residenzstadt des Herzogtums Berg erhoben.
Nachstehend ist die Chronologie der Bergischen Regenten von 1080 bis 1806 wiedergegeben.

          Haus Berg (1068 - 1225)
von 1080 bis 1106 Adolf I. Graf von Berg
von 1106 bis 1160 Adolf II. ("Herr vom Berge") Graf von Berg und Graf von Altena
von 1160 bis 1189 Engelbert I. Graf von Berg
von 1189 bis 1218 Adolf III. Graf von Berg
von 1218 bis 1225 Engelbert II. ("Der Heilige") Graf von Berg und
          Erzbischof von Köln (1216-1225)

          Haus Limburg (1225 - 1348)
von 1225 bis 1246 Heinrich IV. von Limburg Graf von Berg und Herzog von Limburg
von 1246 bis 1259 Adolf IV. Graf von Berg
von 1259 bis 1296 Adolf V. Graf von Berg
von 1296 bis 1308 Wilhelm I. Graf von Berg
von 1308 bis 1348 Adolf VI. ("Der Ehrwürdige") Graf von Berg

          Haus Jülich (1348 - 1521)

von 1348 bis 1360 Gerhard I. Graf von Berg und Graf von Ravensberg
von 1360 bis 1380 Wilhelm II. Graf von Berg und Graf von Ravensberg (1360-1395)
von 1380 bis 1408 Wilhelm I. Herzog von Berg (als Wilhelm II. Graf von Berg bis 1380)
von 1408 bis 1423 Adolf VII. Herzog von Berg und Graf von Ravensberg (1395-1402)
von 1423 bis 1437 Adolf VII. Herzog von Jülich-Berg
von 1437 bis 1475 Gerhard II. Herzog von Jülich-Berg und Graf von Ravensberg (ab 1428)
von 1475 bis 1511 Wilhelm III. Herzog von Berg und als
          Wilhelm IV. Herzog von Jülich, Graf von Ravensberg

          Haus Mark (1511 - 1609)
von 1511 bis 1539 Johann III. ("Der Friedfertige") Herzog von Jülich-Kleve-Berg und
          Graf von Ravensberg, Graf von der Mark
von 1539 bis 1592 Wilhelm V. ("Der Reiche") Herzog von Jülich-Kleve-Berg und
          Graf von der Mark, Graf von Ravensberg, Herzog von Geldern,
          Graf von Zutphen, Herr von Ravenstein
von 1592 bis 1609 Johann Wilhelm I. Herzog von Jülich-Kleve-Berg und
          Graf von der Mark, Graf von Ravensberg, Herr von Ravenstein

          Haus Wittelsbach / Linie Pfalz-Neuburg (1614 - 1742)

von 1614 bis 1653 Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg Herzog von Jülich-Berg und
           Herzog von Pfalz-Neuburg
von 1653 bis 1679 Philipp Wilhelm von der Pfalz Herzog von Jülich und Berg und
          Herzog von Pfalz-Neuburg, Kurfürst von der Pfalz
von 1679 bis 1716 Johann Wilhelm II. von der Pfalz ("Jan Wellem") Herzog von Jülich und Berg
          und Herzog von Pfalz-Neuburg, Kurfürst von der Pfalz, Graf zu Megen
von 1716 bis 1742 Karl III. Philipp von der Pfalz Herzog von Jülich und Berg und
          Herzog von Pfalz-Neuburg, Kurfürst von der Pfalz, Graf zu Megen,
          Herr von Ravenstein

          Haus Wittelsbach / Linie Pfalz-Sulzbach und Zweibrücken (1742 - 1806)
von 1742 bis 1799 Karl IV. Philipp Theodor von der Pfalz und Bayern Herzog von Jülich und
          Berg und Herzog von Pfalz-Neuburg, Herzog von Pfalz-Sulzbach, Kurfürst von
          der Pfalz, Kurfürst von Bayern, Markgraf von Bergen op Zoom
von 1799 bis 1806 Maximilian IV. Joseph von Bayern Herzog von Jülich und Berg und
          Herzog von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein, Kurfürst von Kurpfalz-Bayern
          im Heiligen Römischen Reich

          Präfekten des französischen Departements (1806 bis 1813)
von 1806 bis 1806 Joachim I. Murat Herzog zu Berg und Kleve
von 1806 bis 1808 Joachim I. Murat Großherzog von Berg und Kleve und
          König von Neapel (1808-1815)
von 1808 bis 1809 Napoleon Bonaparte
von 1809 bis 1813 Napoleon Louis Bonaparte

Die Münzgeschichte des bergischen Landes

Das königliche Münzrecht des "Heiligen Römischen Reiches" weitet sich ab ca. 1060 auch auf weltliche Fürsten aus.

Die Münzforschung im Bergischen Land beginnt ihre genealogische Folge mit Adolf I. (1080-1106), dem ersten urkundlich nachweisbaren Graf von Berg und Begründer der gleichnamigen Grafschaft. In einer kaiserlichen Urkunde Heinrich IV. aus dem Jahr 1101 erscheint Adolf erstmals als Graf ("Adolf de Monte comites"). Eine Urkunde von 1105 bestätigt seinen Status ("Adolfus comes de Berge"). Adolf I. nutzt die Möglichkeit zur Herstellung und Ausgabe der ersten bergischen Münzen in seiner Grafschaft.
Die älteste bergische Münze ist ein Denar des Grafen Adolf I. Sie soll bereits um 1070 geprägt worden sein. Der Durchmesser beträgt 21 mm, Gewicht ist 1,42 gr. Die Vorderseite zeigt die segnende Hand Gottes und die Umschrift "Adolfus de Monte" (Adolf von Berg). Auf der Rückseite sieht man den Petruskopf unter Kirchgiebel zwischen Säulen und die Umschrift "Petrus", im Randkreis "Imago S(anctae) Colonie - Abbild des Heiligen Köln-. Münzstätte ist Wildberg. Diese älteste bekannte bergische Prägung befindet sich im Besitz des Rheinischen Landesmuseums in Bonn.

Auch sein Nachfolger Adolf II. (1106-1160), in einer Urkunde von 1068 als "Herr vom Berge" bezeichnet, lässt in Wildberg bergische Pfennige (sog. Denare) nach Kölner Vorbild schlagen, ohne jedoch im Besitz eines vom König zu verleihenden Münzprivilegs zu sein. Bekannt ist ein 1,6 gr. schwerer Pfennig , der eine Nachbildung eines Pfennigs des Kölner Erzbischofs Bruno II. (seines Bruders) war. Der erzbischöfliche Stuhl in Köln duldet diese Prägung, nicht zuletzt auch deshalb, weil mehrere Bischöfe aus dem Hause Berg kamen. Wie die Fundstellen beweisen, waren die bergischen Münzen im ganzen Erzbistum Köln in Umlauf, gleichzeitig mit den Kölner Prägungen.

Engelbert I. (1160-1189) bildet Kölner Pfennige nach.

Ihm folgt Adolf III. (1189-1218), von dem keine Münzen bekannt sind.

Engelbert II. (1218-1225), der bedeutendste Graf von Berg, sichert die Geldversorgung von Köln aus. Er lässt als Erzbischof von Köln Münzen schlagen, bergische Münzen sind nicht bekannt.

Adolf IV. (1246-1259) lässt um 1250 wieder Pfennige nach Kölner Muster schlagen. Die Münzen tragen auf der Rückseite den Namen des Kölner Erzbischofes Konrad von Hochstaden. Die Münzstätte wird in Wildberg betrieben.

Adolf V. (1259-1296) erhält 1275 von König Rudolf von Habsburg das Recht, in der Stadt Wipperfürth Münzen zu prägen. Damit wird die Münzprägung nach rund 200 Jahren legalisiert. Die bis dato in Wildberg betriebene Münzstätte wird dauerhaft nach Wipperfürth verlegt. Hier werden Pfennige und Vierlinge (Viertelpfennige) hergestellt. Die erste legale bergische Münze ist ein Denar (Durchmesser 19 mm, Gewicht 1,21gr.) aus der Zeit zwischen 1275 und 1278. Die Vorderseite zeigt den Bischof mit Stab und Evangeliar und der Umschrift "Comes de Monte" (Graf von Berg), die Rückseite eine Kirche, im Randkreis "Wippereworde Civita" (Wipperfürth Bürgerschaft). Die Münze befindet sich im Stadtmuseum Düsseldorf.

Münzen von Wilhelm I. (1296-1308) sind nicht bekannt.

Jedoch kennt man 2 ½-Pfennig-Stücke von Adolf VI. (1308-1348) sowie sog. Turnosgroschen, auch "Turnose" genannt. Bei der Turnose handelt es sich um eine Großmünze im Wert von 12 Pfennigen (= 1 Schilling), die ihren Ursprung in der französischen Stadt Tours hat. Es handelt sich um eine Nachbildung des "gros tournois" von Tours, der offiziellen Prägestätte des französischen Königs Ludwig IX. ("der Heilige"). Am 27.07.1328 erteilt Kaiser Ludwig von Bayern dem Grafen Adolf VI. das Recht, in seiner Münzstätte in Wipperfürth Tournosen zu prägen, das sog. "Große Turnosenprivileg". Wipperfürth wird damit zu einer der Reichsmünzstätten. Die Turnose bildet fast ein Jahrhundert das Hauptzahlungsmittel im Bergischen Land und wird dann durch den Weißpfennig abgelöst.

Auch Adolfs VI. Nichte Margarete (1320-1389), die Erbin der Grafschaft Ravensberg, lässt Münzen prägen. Sie ist damit die einzige Münzherrin der bergischen Geschichte. 1338 heiratet sie Gerhard, Sohn des Grafen Wilhelm V. von Jülich. Im Jahr 1360 münzt sie unter ihrem eigenen Namen. Bekannt ist ein Sterling (Durchmesser 18 mm, Gwicht 1,12 g). Auf der Vorderseite sieht man ein Lilienkreuz mit der Umschrift "Vrowe van den Bergh" (Herrin von Berg), auf der Rückseite einen viergeteilten Schild mit dem Jülicher Löwen und dem Bergischen Löwen und der Umschrift "Margreta V(an) R(avensberg). Die Münze befindet sich im Rheinischen Landesmuseum in Bonn.

Gerhard I. (1348-1360) lässt einen Doppelschilling schlagen. Um 1350 wird die Münzstätte in Wipperfürth geschlossen und die Münzproduktion nach Köln-Mülheim verlagert. Vorübergehend prägt man auch an einigen anderen Orten, so in Gerresheim, Lennep, Ratingen und Remagen.

Ratingen erhält 1276 die Stadtrechte und tritt neben Wipperfürth und Mülheim um das Jahr 1360 als Münzstätte in Erscheinung. Eine gesuchte Rarität ist die unter Wilhelm II. (1360-1408) geprägte "Ratinger Turnose". Wilhelm II. gilt als der bedeutendste bergische Münzherr im Mittelalter. 1380 wird die Grafschaft Berg zum Herzogtum erhoben. Wilhelm II. seit 1380 der erste von König Wenzel ernannte Herzog von Berg, lässt als Herzog Wilhelm I. von Berg diverse Münzsorten prägen, so Sterlinge, Turnosen, Heller, ab ca. 1377 auch die sog . Weißpfennige, später dann Goldgulden (in Anlehnung an Kölner und Trierer Vorbilder), Albus (rheinische Groschen) bzw. Schillinge (halbe Weißpfennige). Bergische Schillinge aus der Zeit Wilhelm II. sind relativ selten, während Weißpfennige und Turnosen heute noch häufiger im Münzhandel angeboten werden. Der Weißpfennig hatte ursprünglich einen Wert von 24 Pfennigen. Bergische Pfennige des 14. Jahrhunderts werden Denare genannt. Bekannt ist der Denar von Mülheim. Er dürfte für den Handel mit Westfalen bestimmt gewesen sein. Wilhelm II. unterhält in den ersten 15 Jahren seiner Regierungszeit vier Münzstätten in Ratingen, Lennep, Gerresheim und Remagen, die überwiegend Münzen für den Fernhandel prägen. Im bergischen Land waren in dieser Zeit überwiegend Kölner Münzen im Umlauf.
In einem Münzvertrag des Jahres 1372 vereinbaren die Erzbischöfe von Köln und Trier die Einführung einer gemeinsamen Währung (Gulden und Albus -eine Variante des Groschens-). Dem folgt auch Wilhelm II. und führt 1377 einen bergischen Gulden und einen bergischen Albus ein. Während der Gulden zu einer europäischen Leitwährung aufstieg, blieb der Albus weitgehend auf den rheinischen Raum beschränkt. Unternominale sind der Schilling und die Scheidemünzen (Pfennig bzw. Heller).

Unter Adolf VII. (1408-1437) kommt es 1423 zu der Vereinigung des Herzogtums Berg mit dem Herzogtum Jülich. In dieser Zeit werden u.a. Weißpfennige und Wappenturnose in Mülheim geprägt. Sie unterscheiden sich von denen Wilhelm II. nur durch den Namen. 1425 schließt Adolf VII. einen Münzvertrag mit König Sigismund ab. Dadurch wird Mülheim zeitweilig zur Reichsmünzstätte, die Gulden, Albus und Schillinge prägt.

Aus der Zeit Gerhard II. (1437-1475) findet man Goldgulden und Silbermünzen zu 1 Heller (Doppelpfennige) und Weißpfennige. Wäre Gerhard ohne männlichen Erben geblieben, wäre Berg an Köln gefallen.

Ganze und halbe Weißpfennige, Gulden, Heller, Albus und Schilling, die alle undatiert sind, werden noch unter Wilhelm III. (1475-1511) geprägt. 1482 erscheint erstmals eine Münze mit Prägejahr. Diese Bausche trägt auf der Vorderseite die Schrift "Wilhelm Dux Jul Z Mon" und auf der Rückseite "M CCCC LXXXII Moneta Nova Molhem". Von münzgeschichtlicher Bedeutung für das Rheinland wird das Jahr 1477, als sich wegen des starken Geldverfalls die Kurfürsten von Mainz, Trier und Pfalz sowie Herzog Wilhelm zum sog. Rheinischen Münzverein zusammenschließen. Der Beitritt ist an die Bedingung geknüpft, für den Geldverkehr innerhalb des Landes zusätzlich sog. Landmünzen (Bauschen, halbe Bauschen und Doppelbauschen) prägen zu dürfen.

Unter Johann III. (1511-1539) kommt am 15.05.1521 zur Vereinigung der Herzogtümer Kleve-Mark mit Jülich-Berg-Ravensberg zum Herzogtum "Jülich-Kleve-Berg". Es entsteht eine territoriale Macht am Rhein. Unter Johann III. werden Goldgulden, Bausche und Heller geschlagen. Als erster Fürst im Rheinland lässt er die ersten großen Silbermünzen im Werte eines Goldguldens, den "Guldengroschen" prägen. Guldengroschen sind Großsilberstücke im Wert eines Guldens, mit dem Gewicht einer Unze (=31,1 Gramm). Dies ist die letzte spätmittelalterliche bergische Münze. Ab 1540 werden die Guldengroschen als "Thaler" bezeichnet.

Desgleichen finden sich Taler aus der Zeit von 1540 bis 1570, die in die Regentschaft von Wilhelm V. (1539-1592) fallen. Bis ca. 1589 werden in der Münzstätte Düsseldorf Goldgulden, bergische Taler, Albus und Heller geprägt.

Johann Wilhelm I. (1592-1609) verlegt die Münzproduktion von Mülheim nach Düsseldorf, wo in der Zeit von 1604 bis 1609 Rheinische Gulden aus Gold und Heller geschlagen werden. Taler aus dieser Zeit sind sehr selten.

Mit dem Tod Johann Wilhelm I. im Jahre 1609 kommt es zu einer mehrjährigen Besetzung des Landes. Im Vertrag von Xanten fallen 1614 Kleve, Mark und Ravensberg an Brandenburg, das Herzogtum Jülich-Berg an Pfalz-Neuburg. Unter Wolfgang Wilhelm (1614-1653) Herzog von Jülich-Berg und Pfalz-Neuburg wird der erste bergische Dukaten geschlagen. Es folgen Münzen auch als Bruchteile von Gulden, so z.B. der Sechzehntel Gulden oder auch der Achtelgulden. In Düsseldorf wurden nur wenige Taler geprägt. Die meisten Taler kommen aus dem pfälzischen Mutterland.

Von 1670 bis 1691 erfolgt erneut eine Verlegung der bergischen Münzstätte von Düsseldorf nach Mülheim. Es finden sich heute eine Vielzahl von Kleinmünzen, die zwischen 1670 und 1675 geschlagen werden und die in die Zeit von Philipp Wilhelm (1653-1679) fallen, so u.a. Albus- und Heller-Stücke sowie Achteltaler.

Auch aus der Zeit Johann Wilhelm II. (1679-1716), im Volksmund "Jan Wellem" genannt, sind eine Reihe schöner Taler und deren Teilstücke bekannt, so z.B. der Sechstel Taler. Diese Münzen werden ab 1696 wieder in der damaligen Residenzstadt Düsseldorf geprägt. Jan Wellem hielt Zeit seines Lebens treu zu Kaiser und Reich und war nach dem Tode seines Neffen, Kaiser Josef I., gemeinsam mit dem Kurfürsten von Sachsen sog. Reichsvikar. Beide führten die Regierungsgeschäfte im Jahre 1711 bis zur Wahl Kaiser Karl VI. Aus dieser Zeit stammen die Vikariatsmünzen des Jahres 1711, die bis zur Wahl Kaiser Karl VI. in Erinnerung an dieses Ereignis geprägt wurden.

Carl III. Philipp (1716-1742) führt ab ca. 1736 im bergischen Land den Stüber ein. Bekannt sind auch Münzen mit dem Nennwert von 20 Kreuzern sowie Sechstel Taler. Carl Philipp war seit 1706 kaiserlicher Statthalter in Tirol und hatte es nicht eilig nach Düsseldorf zu kommen. Er geht 1717 nach Neuburg, 1718 nach Heidelberg und 1720 nach Mannheim. Das Bergische Land hat er nie gesehen. Eine sehr interessante Münze ist der Ausbeute 2/3 Taler von 1738.

1742 fällt das Herzogtum Jülich-Berg an Pfalz-Sulzbach, im Jahr 1777 an Kurbayern. 1765 unter Carl II. Philipp Theodor (1742-1799) beginnt die Produktion der sog. Konventionstaler (Wert = 96 Stüber). Heute finden sich noch viele Stüber aus dieser Zeit, so Viertelstüber, Halbestüber, Ein-, Zwei- oder Drei-Stüber Stücke, aber auch Dukaten. Aus dieser Zeit stammen Dukaten Taler, so u.a. der Wildberger Ausbeutetaler von 1751 aus der Münze Mannheim. Die Residenz bleibt in Mannheim, 1777 verlegt sie Carl Theodor nach München. Besonders erwähnenswert ist die Erbauung des Benrather Schlosses.

Ab 1801 werden unter Maximilian IV. (1799-1806) in Düsseldorf neben den Stübern die ersten Reichstaler geschlagen. Der Wert eines Reichstalers beträgt 60 Stüber. Die Stüber-Münzen sind weiterhin in großer Zahl im Umlauf und werden auch heute noch sehr oft angeboten.

Unter Joachim I. Murat (1806-1808), dem von Napoleon eingesetzten (Groß-)Herzog von Berg, kommt es neben der Herstellung von Stübern und Reichstalern auch zur Ausgabe des sog. "Cassatalers", der infolge seines geringeren Feingehalts nur noch mit ca. 57 Stübern gehandelt wird. Im Jahre 1808 wird Murat König von Neapel, 1815 wird er in Pizzo erschossen.


Das Bild zeigt auf der linken bzw. auf der rechten Seite die Vor- bzw. die Rückseite eines "Bergischen Cassatalers" aus dem Jahre 1807. Die Rückseite mit der Darstellung des Großherzogs Joachim I. Murat dient den Münzfreunden Hilden als Vereins-Logo.
Der mittlere Bildteil zeigt die Abbildung einer Porzellanfigur der Firma Scheibe Alsbach von C. Lysek aus den 70er Jahren, bezeichnet mit "MURAT" und "1767 - 1815". Die Unterseite der Figur enthält die Inschrift:
"Beau frere de Napoleon - Marechat en 1804 - Grand Duc de Berg 1806 - Roi de Naples 1808 - fusille 1815" (Schwager von Napoleon - Marschall 1804 - Großherzog von Berg 1806 - König von Neapel 1808 - Erschossen 1815).

Im Jahre 1809 endet die Geschichte der bergischen Münzen.

Fortan gilt in der bergischen Region die Währung des französischen Kaiserreiches. Die Münzstätte in Düsseldorf ruht. Der dort seit 1805 tätige Münzmeister Theodor Stockmar wird pensioniert. Das Bergische Land fällt durch den Beschluss im Wiener Kongress am 15.04.1815 an Preußen. Landesherr ist nun König Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1797-1840).

Die Düsseldorfer Münze wird 1816 durch Preußen wieder in Betrieb genommen und Theodor Stockmar als Münzmeister einberufen. Schon ein Jahr später wird er aufgrund von "Nachlässigkeiten" entlassen.

Ab 1816 bis 1848 prägt die von Preußen betriebene Münzstätte in Düsseldorf preußische Münzen für das gesamte Königreich unter dem Münzzeichen "D". Dann wird der Münzbetrieb endgültig eingestellt und die Münzstätte geschlossen.

Verzeichnis der Münzmeister des Herzogtums (Jülich-) Berg 1613 - 1809

Die Münzmeister sind Leiter einer Münzprägestelle und als solche zuständig für die Prägung der Münzen. Seit dem späten Mittelalter kennzeichnen die Münzmeister die unter ihrer Leitung geprägten Münzen mit eigenen "Münzmeisterzeichen" in Form der Anfangsbuchstaben ihres Namens oder auch mit Bildzeichen. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts werden die Münzmeisterzeichen durch Münzzeichen ersetzt. Münzzeichen sind Buchstaben zur Kennzeichnung der jeweiligen Münzstätte.
Soweit bekannt, haben die Münzfreunde Hilden in der nachstehenden Aufstellung die Münzmeister mit den von ihnen verwandten Münzmeisterzeichen (Mmz.) aufgelistet.

Münzstätte Mülheim (1613 bis 1628)
Heinrich Wintgens von 1613 bis 1621
Peter Wintgens 1615
Balthasar Wintgens 1616
Johann Wintgens 1617
Ernst Knorr 1621

Münzstätte Düsseldorf (1628 bis 1670)
Simon Timpff von 1628 bis 1635 (Mmz. "S - T" verschlungen)
Heinrich Ernst 1634
Simon Huber von 1636 bis 1665
Michael Huber von 1665 bis ca. 1670

Münzstätte Mülheim (1670 bis 1691)
Johann Longerich von 1670 bis 1681 Mmz. "I - L")
Nikolaus Longerich von 1681 bis 1691 (Mmz. "N - L")

Münzstätte Düsseldorf (1691 bis 1809)
Heinrich Lorenz Odenthal von 1700 bis 1701 (Mmz. "H - L - O")
Johann Adam Longerich von 1707 bis 1709 (Mmz. "I - A - L")
Nikolaus Prück von 1710 bis 1721 (Mmz. "N - P")
Johann Hittorff von 1724 bis 1726 (Mmz. "I - H")
Richard Fehr von 1728 bis 1735 (Mmz. "R - F")
Friedrich Maul von 1735 bis 1748 (Mmz. "F - M")
Franz Offner von 1736 bis 1737 (mmz. "F - O")
Anton Kamphausen von 1748 bis 1766 (Mmz. "A - K")
Georg Barbier von 1765 bis 1803 (Mmz. "G - B")
Carl Ludwig Selcke von 1767 bis 1770 (Mmz. "C - L - S")
Paul Maaßen von 1770 bis 1784 (Mmz. "P - M")
Peter Rüdesheim von 1784 bis 1805 (Mmz. "P - R")
Theodor Stockmar von 1805 bis 1817 (Mmz. "S" oder "S - r" oder "T - S")

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Die Darstellung der bergischen Münzen von 1080 bis 1809 erfolgt auf der Seite

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