Bergische Stüber von 1736 bis 1807

Geschichte des Bergischen Stübers

"Stuber" oder "Stüber" ist die Bezeichnung für eine Kleingroschenmünze, die vom Ende des 15. Jahrhunderts bis ins beginnende 19. Jahrhundert im Nordwesten Deutschlands geprägt wird. Der Wert beträgt ca. 4 Pfennige. 60 Stüber entsprechen einem Reichstaler. Beim Stüber handelt es sich um eine Nachprägung einer ursprünglich niederländischen Münze (dortselbst Stüver oder Stuiver genannt).

Der Bergische Stüber wird in dem seit 1423 existierenden Herzogtum Jülich-Berg unter Karl III. Philipp von der Pfalz (auch Carl Philipp) eingeführt. Die erste Münze im Nennwert von einem Stüber datiert aus dem Jahr 1736, der letzte Stüber - eine 3 Stüber-Münze - wird im Jahre 1807 geprägt.
Die folgenden Ausführungen zum sog. "Bergischen Stüber" beziehen sich mithin auf die Zeit des Herzogtums Jülich-Berg (1716 bis 1795) sowie auf das (Groß)herzogtum Berg während der französischen Besetzung (1806 - 1808).

Bergische Regenten der "Stüberzeit"
In der Zeit des Stüber-Umlaufs regieren im Herzogtum Jülich-Berg:

Von 1716 bis 1742: Karl III. Philipp von der Pfalz
Von 1742 bis 1799: Carl Theodor von der Pfalz
Von 1799 bis 1806: Maximilian I. Joseph von Bayern
Von 1806 bis 1808: Joachim I. Murat – Großherzog von Berg

Stüber-Nominale
Folgende Stübermünzen werden in der Zeit von 1736 bis 1807 ausgegeben:


¼ Stüber (1750-1753, 1765-1787 und 1794)



½ Stüber (1765-1787, 1790, 1794 und 1802-1805)



1 Stüber (1736-1738 und 1765)



2 Stüber (1792-1794)



3 Stüber (1765-1766, 1792-1794 und 1801-1807)



12 Stüber (1765-1766)



Die Viertel- und Halbstüber bestehen aus Kupfer, die Stüber im Nennwert von einem, zwei bzw. drei Stüber bestehen aus "Billon", einer Legierung aus Kupfer und Silber mit einem Silbergehalt von weniger als 50%. Das 12 Stüber-Stück ist eine Silbermünze mit einem Gewicht von 5,3 Gramm.
Der erste bergische Stüber wird in der Regierungszeit von Karl Philipp von der Pfalz im Jahre 1736 ausgegeben. Sein Nennwert beträgt 1 Stüber. Der letzte bekannte Stüber aus der Region stammt aus dem Jahre 1807 (Nennwert = 3 Stüber) und wird unter napoleonischer Herrschaft von Joachim Murat, einem Schwager Napoleons, in Umlauf gegeben. Die offizielle Außerkraftsetzung des Stübers erfolgt im Jahre 1821.

In der ca. 70jährigen Herstellungszeit werden Stübermünzen im Bergischen Land in großer Zahl geprägt, so dass insbesondere die Kupfermünzen (Viertel- bzw. Halbstüber) auch heute noch relativ häufig im Münzhandel vorzufinden sind. Da es sich beim Stüber um die vorherrschende bergische Kleinmünze des 18. Jahrhunderts handelt, ist der Zustand der angebotenen Umlaufmünzen in der Regel heute entsprechend. Stücke im Erhaltungsgrad „vz“ (vorzüglich) oder besser sind nicht so häufig anzutreffen.

Bergische Münzmeister und ihre Münzmeisterzeichen
Es gibt eine Vielzahl von Stüber-Varianten. Mit Ausnahme eines Halbstübers von 1803 enthalten sämtliche Münzen ein sog. Münzmeisterzeichen; das sind die Anfangsbuchstaben des Münzmeisters in der Münzstätte. Als Münzmeister bezeichnet man den Leiter bzw. Verwalter einer Münzprägestätte. Im Bergischen Land wird die zuständige Münzstätte unter "Jan Wellem" (Johann Wilhelm II. von der Pfalz) im Jahre 1696 in die damalige Residenzstadt Düsseldorf verlegt.

Nachstehend eine Aufstellung der in Düsseldorf während der "Stüberzeit“ tätigen Münzmeister mit den von ihnen verwendeten Münzmeisterzeichen (Mmz.):

FO = Franz Offner (1736-1737) - Mmz = "•F•O•" / "F O"
FM = Friedrich Maul (1735-1748) - Mmz = "F*M"
AK = Anton Kamphausen (1748-1766) - Mmz = "A•K•" / “•A•K•" / “A•K"
GB = Georg Barbier (1765-1803) - Mmz = "G•B"
PM = Paul Maassen (1771-1784) - Mmz = "P•M•" / “P•M" / "P M"
PR = Peter Rüdesheim (1784-1805) - Mmz = "•P•R•" / “PR" / “•PR•" / ”P•R" / ”P•R•"
PR = Peter Rüdesheim (1784-1805) - Mmz = "P R" / "•P R•"
R = Peter Rüdesheim (1784-1805) - Mmz = "R" / “•R•" / “R•"
Sr = Theodor Stockmar (1805-1817) - Mmz = "Sr"
S = Theodor Stockmar (1805-1817) - Mmz = "S" / "S•"
TS = Theodor Stockmar (1805-1817) - Mmz = "T•S•" / "T•S:" / "T:S:"

Die Münzmeisterzeichen werden auf den Münzen in unterschiedlicher Weise dargestellt, so mit aneinandergesetzten Initialien oder auch getrennt, mit Punkten vor, hinter und/oder auch zwischen den Initialien, teilweise auch mit Sonderzeichen, wie z.B. Sternchen oder Symbolen.

Stüber-Varianten
Die Münzfreunde Hilden haben die bergischen Stüber-Varianten zusammengestellt, die ihnen bisher aus den eigenen Sammlungen bekannt sind. In den Schön- bzw. AKS-Münzkatalogen werden unter dem Herzogtum (Jülich-) Berg insgesamt 18 unterschiedliche Stüber gelistet, davon 2 Varianten des Viertelstübers, 3 Varianten des Halbstübers, 4 Varianten der 1 Stüber-Münze, 1 Variante der 2 Stüber-Münze, 6 Varianten des 3 Stüber-Münze und 2 Varianten der 12 Stüber-Münze. Die Münzkataloge unterscheiden nach Nennwert und Darstellung bzw. Jahrgang, ab 1800 auch nach Münzmeisterzeichen.

Bezieht man die einzelnen Jahrgänge und die verschiedenen Münzmeisterzeichen mit ein, ergibt sich eine Vielzahl von Stüber-Varianten, die nachstehend in der Reihenfolge der Auflistung in den Münzkatalogen aufgeführt sind.

1 Stüber 1736 - 1737
Ausgabe: 1736 und 1737
Vorseite: Gekrönter halbrunder Löwenschild zwischen Zweigen
Rückseite: I Stuber, Jahreszahl, Umschrift
Bekannte Varianten
1736 FO / 1737 FO

1 Stüber 1738
Ausgabe: 1738
Vorseite: Gekrönter Bergischer Löwe nach links, Umschrift
Rückseite: I Stuber, Jahreszahl
Bekannte Varianten
1738 FM

Neben den Unterscheidungen nach den verschiedenen Münzmeisterzeichen gibt es in den Jahren 1736 bis 1738 eine Vielzahl von Varianten der Vorderseite.
Es finden sich Darstellungen eines doppelt geschwänzten Bergischen Löwen oder der Löwe hat nur zwei Schwanzquasten, wobei die zweite Quaste sowohl nach innen als auch nach außen stehen kann.
Auch bei der Umschrift finden sich Unterschiede :
1736 : nur "GVLICH VND BERG LANDMVNZ"
1937 : "GULICH UND BERG LANDMUNZ" sowie "GVLICH VND BERG LANDMVNZ"
1938 : nur "GULICH UND BERG LANDMUNZ

1/4 Stüber 1750 - 1753
Ausgabe: 1750 bis 1753
Vorseite: Gekrönter eckiger Löwenschild
Rückseite: 1/4 Stuber, Jahreszahl, Umschrift "Gulich und Bergische Landmuntz"
Bekannte Varianten
1750 AK / 1751 AK

Neben den bereits erläuterten Löwenschwanz-Varianten gibt es unterschiedliche Wappenschildformen und verschiedene Darstellungen der Trennlinie zwischen "1" und "4", die sowohl nach rechts als auch nach links gebogen sein kann. Den Münzfreunden sind bis heute keine Prägungen aus den Jahren 1752 bzw. 1753 bekannt.

1/4 Stuber 1765 - 1787, 1794
Ausgabe: 1765 bis 1787 und 1794
Vorseite: Monogramm "CT", Umschrift "Gulich und Bergische Landmunz"
Rückseite: 1/4 Stuber, Jahreszahl
Bekannte Varianten
1765 AK / 1766 AK / 1774 PM / 1775 PM / 1783 PM / 1784 PM /
1785 PR / 1786 PR / 1787 PR /1794 PR



In den Jahren 1767 bis 1771 gibt es keine Aktivitäten in der Düsseldorfer Münze. Münzmeister Anton Kamphausen beendet dort seine Tätigkeit im Jahre 1766 und Paul Maaßen wird erst am 31.12.1970 eingestellt (Noss Seite 285 bis 286). Im Verlauf des Jahres 1775 wird die Münzstätte Düsseldorf erneut geschlossen. Erst im Jahr 1783 beschließt die Düsseldorfer Regierung eine Wiederaufnahme der Kupferprägungen, um den Scheidemünzenmangel zu bekämpfen (Noss Seite 289). Es ist mithin nachvollziehbar, dass aus den Jahren 1767 bis 1770 sowie 1776 bis 1782 keine Stüberprägungen bekannt sind.

1/2 Stüber 1765 - 1787, 1790, 1794
Ausgabe: 1765 bis 1787, 1790 und 1794
Vorseite: Monogramm "CT", Umschrift "Gulich und Bergische Landmunz"
Rückseite: 1/2 Stuber, Jahreszahl
Bekannte Varianten
1765 AK / 1766 AK / 1771 PM / 1774 PM / 1783 PM / 1784 PR /
1785 PR / 1786 PR / 1787 PR / 1790 PR / 1794 PR / 1794 R

Im Jahr 1775 werden keine Halbstüber geprägt.
Aus dem Jahr 1783 sind mehrere Varianten bekannt, die sich unter anderem durch die Größe des Monogramms unterscheiden.
Die Halbstüber des Jahres 1784 wurden nicht mehr durch Paul Maaßen geprägt, sondern schon durch Peter Rüdesheim.

1 Stüber 1765
Ausgabe: 1765
Vorseite: Gekrönter runder Löwenschild, Umschrift "Gulich und Berg Landmunz"
Rückseite: I Stuber, Jahreszahl
Bekannte Varianten
1765 AK

1 Stüber 1765
Ausgabe: 1765
Vorseite: Gekröntes Monogramm "CT", Umschrift "Gulich und Berg Landmunz"
Rückseite: I Stuber, Jahreszahl
Bekannte Varianten
1765 AK

3 Stüber 1765 - 1766
Ausgabe: 1765 und 1766
Vorseite: Gekröntes Monogramm "CT", Umschrift "Gulich und Berg Landmunz"
Rückseite: 3 Stuber, Jahreszahl
Bekannte Varianten
1765 AK / 1766 AK

12 Stüber 1765 - 1766
Ausgabe: 1765 und 1766
Vorseite: Kopfbild Carl Theodors mit Titelumschrift
Rückseite: Gekröntes ovales dreifeldiges Wappen zwischen Zweigen, 12 Stüber, Jahreszahl
Bekannte Varianten
1765 AK / 1765 GB / 1766 AK
Die 12 Stüber-Münze gibt es sowohl mit der Jahreszahl in der Umschrift (1765 und 1766) als auch mit einer geteilten Jahresangabe zwischen dem Wert "12 ST" (1765).

2 Stüber 1792 - 1794
Ausgabe: 1792 bis 1794
Vorseite: Gekrönter eckiger Löwenschild, Umschrift "Gulich und Berg Landmunz"
Rückseite: 2 Stuber, Jahreszahl
Bekannte Varianten
1792 PR / 1793 PR / 1794 R

3 Stüber 1792 - 1794
Ausgabe: 1792 bis 1794
Vorseite: Gekrönter eckiger Löwenschild, Umschrift "Gulich und Berg Landmunz"
Rückseite: 3 Stuber, Jahreszahl
Bekannte Varianten
1792 PR / 1793 PR / 1793 R / 1794 PR

Im Jahr 1792 werden Varianten mit einem kleinen bzw. einem großen Löwenschild geprägt.

3 Stüber 1801 - 1806
Ausgabe: 1801 bis 1806
Vorseite: Gekröntes Spiegelmonogramm "MJ" umgeben von Girlande
Rückseite: III Stuber, Jahreszahl, Umschrift "Bergische Landmunz"
Münzmeisterzeichen = "R"
Bekannte Varianten
1801 R / 1802 R / 1803 R / 1804 R / 1805 R / 1806 R

Noss beschreibt auch die 3 Stüber-Münzen von 1806 mit dem Münzmeisterzeichen "R" (Peter Rüdesheim). Zu diesem Zeitpunkt war jedoch Theodor Stockmar (Münzmeisterzeichen "S, "Sr" bzw. "TS") bereits in Düsseldorf tätig. Es wird vermutet, dass Rüdesheim bei Ausfällen von Stockmar ausgeholfen hat.

3 Stüber 1805 - 1806
Ausgabe: 1805 und 1806
Vorseite: Gekröntes Spiegelmonogramm "MJ" umgeben von Girlande
Rückseite: III Stuber,Jahreszahl, Umschrift "Bergische Landmunz"
Münzmeisterzeichen = "S" oder "TS"
Bekannt ist auch die Variante einer einseitig geprägten Münze aus dem Jahre 1805 mit dem Münzmeisterzeichen "TS".
Bekannte Varianten
1805 S / 1805 TS / 1806 S

3 Stüber 1806
Ausgabe: 1806
Vorseite: Königskrone mit Spiegelmonogramm "MJ" umgeben von Girlande
Rückseite: III Stuber, Jahreszahl, Umschrift "Bergische Landmunz"
Münzmeisterzeichen = "S"
Bekannte Varianten
1806 S

Von den 3 Stüber-Münzen der Jahre 1805 ff gibt es verschiedenste Varianten der Darstellung des Fürstenhutes bzw. der Königskrone, so u.a. mit 3 oder 5 Bügeln oder mit bzw. ohne Futter im Kurhut oder mit bzw. ohne Untersicht.

1/2 Stüber 1802 - 1805
Ausgabe: 1802 bis 1805
Vorseite: Gekröntes Monogramm "MJ", Umschrift "Bergische Landmunz"
Rückseite: 1/2 Stuber, Jahreszahl
Münzmeisterzeichen = "R" oder ohne Münzmeisterzeichen (nur 1803)
Bekannte Varianten
1802 R / 1803 R / 1803 -ohne- / 1804 R / 1805 R
Halbstüber aus dem Jahre 1803 ohne Münzmeisterzeichen sowie Halbstüber von 1805 mit dem Münzmeisterzeichen "R" sind bei Noss nicht gelistet.

1/2 Stuber 1805
Ausgabe: 1805
Vorseite: Gekröntes Monogramm "MJ", Umschrift "Bergische Landmunz"
Rückseite: 1/2 Stuber, Jahreszahl
Münzmeisterzeichen = "S"
Bekannte Varianten
1805 S

3 Stüber 1806 - 1807
Ausgabe: 1806 und 1807
Vorseite: Monogramm "J" unter Fürstenhut zwischen 2 Lorbeerzweigen
Rückseite: III Stuber, Jahreszahl, Umschrift "Berg: und Clev: L:M."
Münzmeisterzeichen "S" oder "Sr"
Bekannte Varianten
1806 S / 1806 Sr / 1807 S / 1807 Sr

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